Ein Tag Regeneration musste reichen, um dem frühen Flug nach Belo Horizonte und zwei glorreichen Tagen zu begegnen. Cristian aus Porto Alegre hatte uns tatsächlich eine Unterkunft bei Studenten in Belo klarmachen können, ganze 1,5 km entfernt zum Stadion. Einfach sensationell! Rodrigo entpuppte sich ebenfalls als fantastischer Host und zeigte uns die schöne Ecken von Belo Horizonte. Allerdings war die Anspannung vor dem bevorstehenden Halbfinale bereits zu jeder Zeit so groß, dass wir das kaum genießen konnten.
Unsere Stimmung schlug erst dann schlagartig um, als wir schlussendlich die ersten Kartenkontrollen hinter uns gelassen hatten und mit dem brasilianisch übermächtigen Strom Richtung Stadion unterwegs waren. Die Brasilianer feierten immer noch ihren „gefallenen Helden“ Neymar, den sie mit Masken und Sprechchören trotz Verletzung scheinbar zu geistigem Beistand aufrufen wollten.
Auch hier wurden wir wieder zu Fernseh-Interviews gebeten und mich würde wirklich mal interessieren, ob das irgendwo gezeigt wurde. Also wenn jemand meine Visage irgendwo gesehen hat, bitte mal posten.
Diesmal waren wir fast zwei Stunden vor Anpfiff am Stadion und konnten es uns daher gemütlich machen und mit anderen Deutschen über den Ausgang fachsimpeln. So wie es dann freilich gekommen ist, hatte keiner auch nur zu träumen gewagt. Die brasilianische Nationalhymne im Stadion zu hören war dann aber schon das beeindruckendste brasilianische Element an diesem denkwürdigen Fussballabend!
Dem 1:0 folgte bekanntlich neben Kloses ewigem Tor-Rekord die krassesten sechs Minuten, die ich als Fussball-Fan je erlebt habe und wohl auch je erleben werde. Vier Tore in sechs Minuten und 5:0 zur Halbzeit gegen Brasilien. Zum 3:0 haben wir noch gejubelt, zum 4:0 geschrien und zum 5:0 waren wir alle sprachlos. Da war einfach nur noch Fassunglosigkeit gepaart mit unbeschreiblichem Glücksgefühl.
Aber auch in dieser Situation gab es bei uns keinerlei Aggressionen uns gegenüber. Ein paar Brasilianer untereinander, aber das war es auch schon. Beim 6:0 schließlich fragten uns die um uns herumstehende Brasilianer, die schon lange desillusioniert waren schließlich, wie die deutschen Gesänge gingen und fingen an, mit uns „Olé, Super-Deutschland“ zu singen. Dies tat auch dem Endergebnis keinen Abbruch, dass mit 7:1 sehr hoch, aber dieses Mal leider standesgemäß ausfiel. Dem pflichteten übrigens alle Brasilianer bei, denen wir an diesem Abend noch begegneten.
Nach dem Schlusspfiff waren wir noch gefühlte zwei Stunden mit allen Fans in der Fankurve und sangen uns die Kehle wund, bis schließlich sogar nochmal Teile der Mannschaft aus den Katakomben kamen und mit uns feierten. Großkreutz stimmte ein HumbaTäteräää an und auch Poldi war in der ersten Reihe mit dabei!
Unser Fußweg zurück in die WG, vorbei an den letzten Straßensperren, war dann zunächst doch von etwas Unbehagen geprägt, der sich jedoch als überflüssig herausstellte. Selbst in den Bars, in die uns unsere Gastgeber spät abends noch mitnahmen stieß uns allerorts Freundlichkeit entgegen. Genau genommen musste ich kein Bier mehr selbst bezahlen.
Am nächsten Tag ging es, einigermaßen gerädert und mit verbrauchter Simme mit dem besten Inlandsflug, den wir während des gesamten Urlaubs hatten, zurück nach Salvador. Das beste TV-Programm ever inklusive! Endlich angekommen, feierten wir in unserer Ferienwohnung mit unseren Nachbarn weiter, um uns dann das ganz entspannt das zweite Halbfinale in einer Baracca mit einigen Bier und lecker Essen anzuschauen. Leider war das im Gegensatz tatsächlich das langweiligste Spiel der gesamten WM. Aber Schwamm drüber, das beste haben wir schließlcih live erlebt!
Fazit: Danke Rod, Danke Belo! Ein unglaubliches einmaliges Erlebnis!