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Unsere Händelstadt und die Pferde

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Spannung und Vorfreude

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sich als erwachsener Mensch auf etwas freuen kann, das man noch nicht kennt oder erlebt hat. Der Zauber der Vorfreude auf etwas Neues ist einfach toll. Der eigene Geist wird aktiv. Das Gehirn malt sich bereits seit Tagen aus, wie es denn sein oder was einen denn erwarten könnte. Genau so ging es mir mit der Pferderennbahn in Halle. Unzählige Male bin ich von der B80 kommend oder zur B80 fahrend an dem Schild vorbeigekommen. Vor allem beim Auffahren auf die Hochstrasse haschte mein Blick immer wieder hinüber zur Rennbahn. Ein bisschen was konnte ich schon erkennen, aber alles nur schemenhaft. Vor ein paar Wochen entschied sich unsere Familie, die Renntage im September zu besuchen. Endlich sollte ich diesen Ort kennenlernen. Zum ersten Mal in meinem Leben würde ich einem Pferderennen beiwohnen. Was ich bisher aus James Bond 007 oder anderen Filmen kannte, würde ich tatsächlich real erleben. Ich fühlte mich wie als Kind an Weihnachten oder Ostern. Bereits am Abend vorher spürte ich sie, die Spannung und diesen Zauber der Vorfreude…

Die Menschen und die Anlage

Unsere Händelstadt und die Pferde - Anlage 2

Unsere Händelstadt und die Pferde – Anlage 2

Ich habe selbst Eishockey gespielt, war auf Fußballspielen, habe an Golfturnieren teilgenommen und im Tennis bei der Vereinsmeisterschaft mitgewirkt. Überall fand ich eine unterschiedliche Szene vor. Aktive, Offizielle und Zuschauer haben in jeder Sportart einen eigenen Charakter, eine eigene Aura. Wie würde sich dies auf der Pferderennbahn gestalten? Rennen alle Frauen (wie im Film) mit Kleid und Hut herum? Zocken Männer in Anzügen über ihre Verhältnisse, was man ihnen im Verlauf der Rennen immer mehr ansieht? Spürt man die Eitelkeit einer High-Society in der Luft? Oder ist es doch nur eine Sportveranstaltung bei der Fans singen oder vornehm geklatscht wird. Zu meiner Überraschung fand ich von allem ein bisschen vor. Es gab sie, die Damen mit Hut. Aber sie schienen mir doch bodenständiger als im Film. Die zockenden Herren in Anzügen entdeckte ich nicht. Vielmehr war es ein Querschnitt durch die Bevölkerung, die alle ein bisschen wetten wollten. Der eine etwas mehr, der andere etwas weniger. Singende Fans in Jockey-Trikots gab es natürlich nicht. Aber die Stimmung auf der Tribüne knisterte beim Start und der Einlauf wurde bejubelt. Und was ich richtig cool fand und so bisher noch nicht kannte, war die Präsentation der Pferde vor dem Rennen im Rundell. Mittlerweile weiß ich auch, daß man das Führring nennt. Sehr beeindruckend empfand ich die Anspannung der Tiere. Man konnte sehen, daß alle Pferde genau wußten, daß es in Kürze losgehen wird. Teilweise hatten Trainerinnen und Trainer ganz schön zu kämpfen, um die Tiere im Zaum zu halten. Die ganze Anlage erinnerte mich an diverse Golfclubs, auf denen ich gespielt habe. Aktive und Publikum waren allerdings sehr viel sportlicher und bodenständiger als die „Möchtegern-Upperclass“, welche man nur all zu oft an Golfplätzen antrifft. Die Mischung gefiel mir richtig gut.

Lesen, tippen, Startschuß und Kribbeln im Bauch


Lasst mich nun mal zum Rennen an sich kommen. Irgendwie scheint das Wetten zum Pferdesport gehören, wie die kleinen Keilereien zum Eishockey oder die Fanrivalitäten zum Fußball. Also schnappte ich mir das Programmheft, studierte grob die Teilnehmer der einzelnen Rennen und entschied mich dann dafür jeweils 2,- Euro in jedem Rennen auf eine Platzierung (Platz 1-3) des Favoriten zu setzen. Das nennt man im Fachjargon eine Platzwette, die sicherste und risikoärmste Wette.

Ich musste diese Gepflogenheit einfach mitmachen. Dann konnte es losgehen. Pferde und Jockeys betraten die Rennbahn für das erste Rennen. Ein kurzes Eingaloppieren und ein paar kleine Runden vor den Startboxen, dann formierten sich Pferde und Reiter in ihren Boxen. Startschuß. Und plötzlich spürte ich ein wenig Kribbeln im Bauch. Das Adrenalin schoß ein. Instinktiv hielt ich zu meinem Tip, fieberte mit und jubelte als meine allererste Pferdewette mit einem Sieg endete. Mein Tip kam nicht nur unter den ersten drei ins Ziel, er gewann sogar. „I was pumped!“ Ich holte mir den Gewinn von 2,80 Euro und entschied mich dafür, 2 Euro des Gewinns risikoreicher einzusetzen.

Ein Fachmann hatte mir für Rennen Nummer 4 einen besonderen Hinweis gegeben. Ich setzte also nochmal. Dieses Mal platzierte ich eine Siegwette. Alles auf die Empfehlung des Fachmanns. Doch dann kam die Ernüchterung. Keiner meiner Tips in den Rennen 2 bis 4 war erfolgreich. Die Anspannung in mir stieg. Ich wollte nochmal jubeln. Und siehe da, in Rennen 5 war meine Platzwette wieder erfolgreich. Dieses Mal gab es sogar 4,40 Euro Gewinn. Wieder entschloß ich mich 2,- Euro des Gewinns in eine Siegwette zu investieren.

Am Führring erfuhr ich, dass ein Pferd deutlich favorisiert wurde. Also setzte ich auf dessen Sieg. Nach der Wettplatzierung ging es wieder hoch auf die Tribüne. Ich spürte das Fieber in mir, wie ich es eigentlich nur vor Eishockeyspielen hatte. Ich wollte unbedingt, dass „mein (Wett)Schützling“ gewinnt…

So ist das eben beim Wetten


Die Boxen öffneten sich. Die Pferde rannten los und … mein Tip war ganz vorne. Jetzt begann mein Herz richtig zu pochen (obwohl ja gerade einmal 4,- Euro in meinem Pot lagen) und ich hörte mich rufen: „Halte durch, halte durch!“ Und dann kam der große Jubel. Ich hatte sowohl die Platzierungs- als auch die Siegwette gewonnen. Die Freude war riesig und die Emotion kochte. Als das Ergebnis offiziell verkündet wurde, machte ich mich umgehend auf den Weg zu den Wetthäuschen. Nach meinem unglaublichen Gewinn von 7,60 Euro, wollte ich nun mehr „Risikokapital“ setzen.

Ich platzierte 4,- Euro auf Sieg. Und abermals machte ich mich auf den Weg zur Tribüne. Wieder erhöhte sich mein Puls beim Öffnen der Startboxen. Doch nun befanden sich meine beiden Einsätze eher hinten im Feld. Beim Eintreffen in die Zielgerade wurde die Menge wieder laut und ich feurte ebenfalls mit an. Doch es war umsonst. Der Jubel wurde mir verwehrt. Kurzfristig war ich tatsächlich geknickt. Aber dann wurde mir einfach bewußt: So ist das eben beim Wetten! Und soll ich Euch was sagen? Es hat echt Spaß gemacht! Es war ein toller Septembertag in einem schönen, sportlich angehauchten, Ambiente mit ein paar Adrenalinkicks dazu. Was will Mann mehr?

Sportliche Grüße

Manuel Hiemer

Über den Autor

Hallo zusammen, als Wahl-Hallenser, ehemaliger Eishockeyprofi, Autor des Hockey Blogs, Mitglied des ESV Halle e.V. und des Kompetenzzentrum für Medienkommunikation e.V. kümmere ich mich hier um den Sportteil. Den Teil, den Männer in der BILD am liebsten lesen ;-)

1 Kommentar

  1. Christina am

    Hallo Manuel,
    nachdem ich den Artikel gelesen habe, überleg ich echt ob das nicht auch mal ein Ausflug wert ist. Ich denke diese „Vorurteile“ über das Klientel auf einer Pferderennbahn hat doch so ziemlich jeder, der es noch nie selber erleben durfte. Danke für den guten Artikel.

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