
60 Jahre wird die Hallorenkugel dieses Jahr. Ein Verkaufsschlager ist sie auch noch. Ein Grund sich mal mit der Geburtsstätte dem Hallorenwerk zu beschäftigen. Das Team von productdesigner HOLM HÄNSEL einem Designstudio in Halle wollte das in einem Projekt für Imageprodukte einfließen lassen. Darin Souvenirs und Imageprodukte für Halle neu überdacht und aufgebaut werden. Ausserdem eine Fingerübung für die neuen Mitarbeiter Akane und Yujung aus Japan und Südkorea.
Eine Oper brachte Männer zur Schokolade

Es ging sehr schnell, ein Anruf und schon stand man mitten im Schokoladenmuseum in dem Hallorenwerk zu Halle. Noch bevor Halloren unter dem heutigen Namen bekannt worde, nannte man sich Mignon, als Anlehnung an ein damals sehr populäre und freizügige Oper „Mignon“ (1866 von Ambroise Thomas). Der Hauptdarsteller muß eine wunderschöne Frau gewesen sein, die Männerherzen dazu brachte die Pralinensorte Mignon recht häufig einzukaufen. Ein Marketing- und Geniestreich der Schokokladenfabrik Friedrich David & Söhne, die nach dem großen Erfolg letztendlich komplett unter den Namen Mignon Geschichte schrieben. Immerhin war Mignon auch einer der ersten Chocolatiers die die Katzenzunge produzierten. Eine löffelförmige Schokolade die zum Lutschen einlud. Eine Schokoladen-Gußform von 1900 zeugt heute davon. Und wir dachten immer Katzenzungen waren eine Erfindung der DDR.

Das war aber alles bereits nach der großen Zeit als Kaffeehaus mit ca. 1500 Plätzen. Hier nahm die hallesche Schokolade seinen Anfang. Jeden Tag sollen dort ca. 22 große Marzipantorten hergestellt und von Hallensern, Halloren und Hallunken verputzt worden sein. Ein solche Torte befindet noch in der Ausstellung. Man hatte wohl ordentlich Hunger auf Süßes nach dem vielen Salz.
Erste Lilakuh in Halle?

Jedenfalls waren die Unterschiede in der Gestaltung von Genußmittelverpackungen nach dem Krieg in beiden deutschen Staaten kaum vorhanden. Es muß wohl auch die erste violette Gestaltung vor Milka in den Hollorenwerken gegeben haben. Andere Superlativen sind, z.B. die größte Hallorenkugel.
Erbsen und Linsen in der Hallorenkugel?

Da ruht sie nun die „Grande Dame“ der Ostpralinengeschichte. In ihrem gläsernen Schneewittchensarg zum Schutz vor den stehts hungrigen Besuchern. Wir hätten gern mal an dem Koloß von 200kg probiert. Geschichtlich entstanden ist die Hallorenkugel aus der Namensgebung mit der Halloren Salzwirkergilde und ihren silbernen Kugelknöpfen. Durch den permanenten Rohstoffmangel in der DDR wurde der Innovationsgeist der Chocolatiers extrem angetrieben. Um den Mangel zu umgehen wurde an neuen Füllungen experimentiert. Unter anderem mit Erbsen- und Bohnenpüree, bis nun endlich eine dünne Schicht teurer Devisen-Schokolade über die Kugel floß. Ein typischer Improvisationsprozess für die Ost-Volkspraline. Das war vor genau 60 Jahren. Heute besteht die Füllung aus Kakao- und Sahnemasse. Schade eigentlich, der Geschmack der Ostschokolade hatte schon seine spezielle Art. Leider lässt die EU-Norm keine derartige Hülsenfruchtexperimente mehr zu.
Überall riecht es nach Schokolade.
Das Highlight für Designer und Schokoliebhaber ist die gläsernen Produktion. Nichts ist so interessant zu sehen, wie eine Kugel entsteht und weiter in der tiefroten Verpackungen verschwindet. Natürlich waren wir von dem Schokoduft ziemlich vereinnahmt um neutrale Beobachter zu bleiben. Empfehlung von uns: die Kugel kann ruhig weiter gegessen werden.

Kleiner Tipp: Unter der Woche das Werk besuchen, sonst hat man keine Chance auf das Produktionserlebnis.
Öffnungszeiten Schokoladenmuseum
Montag – Freitag: 9.00 – 18.30 Uhr
Samstag: 9.00 – 16.00 Uhr
Sonntage und Feiertage: 11.00 – 17.00 Uhr