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Hallenser 4. Sinfoniekonzert mit Beethovens 5.

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In vielen Internetforen würde es jetzt reichen, wenn ich lediglich den „gefällt mir“ Button drücken würde. Das wäre mir aber viel zu wenig und nicht fair gegenüber dem Orchester, das sich so hervorragend engagiert hat. Mein Lob gleich vorneweg: Kein Zweifel, er war große Klasse, der Montagabend 12. Januar 2015 mit dem 4. Sinfoniekonzert der Staatskapelle Halle.

Auf dem Programm standen unter dem Motto „Krieg und Frieden“:

  • Paul Hindemith: Sinfonie „Mathis der Male
  • Maurice Ravel: Konzert für Klavier und Orchester D-Dur (für die linke Hand)
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67

Solistin am Klavier war Ragna Schirmer. Es dirigierte Stefan Klingele.

Die Welt muss sicher gemacht werden für die Demokratie; ihr Friede muss aufgebaut werden.« Frank Hirschinger, Klarinette.

Paul Hindemith musste immer mehr erkennen, dass die Nazis ihre Macht missbrauchten. Unter diesem Eindruck schrieb er die 3-sätzige Sinfonie „Mathis der Maler, die 1934 uraufgeführt wurde. Mathis ist der berühmte Künstler Mathias Grünewaldt, der sich in den Bauernkriegen gegen die Machthabenden auflehnte. Die drei Sinfoniesätze spielen auf den 3-flügeligen Isenheimer Altar an. Der 1. Satz ist daher überschrieben „Engelkonzert“; wurde sanft und zart dargeboten. Der 2. Satz vermittelte ausdrucksstark das Thema Grablegung als eine allgemeine Trauer der Menschen. Die Versuchung des heiligen Antonius ist Thema des 3. Satzes. Böse Geister machen sich lautstark bemerkbar, werden aber u.a. durch gregorianische Melodien abgefangen. Diese Nuancen waren in der Darbietung sehr schön zu hören.

Maurice Ravel schrieb sein Konzert für Klavier und Orchester unter dem Eindruck des mörderischen 1. Weltkrieges, der Abermillionen Tote forderte und viele junge Männer verstümmelte. Der Pianist Paul Wittgenstein gehörte dazu. Trotz Armamputation wollte er weiter Klavier spielen und gab diese Komposition bei Ravel in Auftrag. Ragna Schirmer, die Pianistin des Abends, betonte dieses Handicap durch ein Abendkleid, bei dem der linke Arm völlig entblößt war, der rechte „amputierte“ im dunklen Stoff des Kleides verborgen war. Phantastisch ihre spielerische Leistung. Wie ausdrucksstark man selbst nur mit einer Hand spielen kann! Sie spricht in einem empfehlenswerten Interviewfilm über diese Herausforderung:

Schnell hatte sie das ihr ohnehin gewogene Hallenser Publikum für sich eingenommen, das sie nicht ohne eine Zugabe gehen ließ.

Nach der Pause gab es Beethovens 5.Sinfonie. Tausendmal gehört, doch immer wieder berührt. Dem Dirigenten gelang auch hier eine wunderbare Motivation des Orchesters zu engagierter und nuancierter Spielweise, so dass Beethovens Werk recht frisch rüberkam. Das Werk erschien, als Beethoven seine finanziellen Nöte gerade geregelt hatte. Man begriff seinerzeit sofort die Größe dieses Werkes. Wie es zu dem grandios einfachen und einprägsamen Thema ta tat ta taaaaaa kam, weiß man nicht so genau, was aber Konrad Beikircher nicht abhält, folgende Anekdote weiterzugeben: Beethoven saß gerade auf dem Klo als jemand Eintritt forderte, worauf Beethoven zurückbellte: „Es ist beseeeetzt.“

Das begeisterte Publikum spendete tosenden Beifall, Bravorufe ertönten. Auch das Orchester dankte seinem Gastdirigenten enthusiastisch. Dank dem Sinfonieorchester! Dank dem Dirigenten Stefan Klingele!

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Über den Autor

Hans J. Ferenz ist freier Autor. Er schreibt über wissenschaftliche und kulturelle Ereignisse für Print- und Internetmedien.

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