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Staatskapelle Halle verabschiedet sich mit „klagendem Lied“ in die Sommerpause

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Die Sinfoniekonzertsaison 2013/2014 der Staatskapelle Halle stand unter dem Motto „Märchen, Mythen und Mysterien“. Gustav Mahlers Märchen-Kantate „Das klagende Lied“ in seiner Urfassung bildete am 23.6.2014 zugleich Höhepunkt und Abschluss dieser märchenhaften Konzertreise.

Es ist ein frühes Werk des genialen Komponisten, an dem dieser gleich nach erfolgreichem Abschluss seiner Konservatoriumsausbildung ab 1879 arbeitete. Diese groß angelegte dreiteilige Kantate für Soli, gemischten Chor und großes Orchester erzählt die Geschichte von einem Brudermord, der am Ende jedoch entlarvt wird. Den Text hat Mahler selbst verfasst in Anlehnung an 2 Märchen. Kontrastreich zeichnete Mahler die Charaktere. Er war von seinem Werk sehr überzeugt, bezeichnete es als „Opus 1“. Bei einem Kompositionswettbewerb fiel er jedoch durch. Eine Karriere als Komponist war damit erst einmal ausgeträumt. Seinen Unterhalt musste er sich als Kapellmeister verdienen. Erst 1891, nach langen Wanderjahren, konnte er sich in Hamburg entfalten und seinen hervorragenden Ruf erarbeiten.

Mahlers steter Drang, etwas Großartiges zu schaffen, brachte ihn schon bei seinem Opus 1 dazu, seine Werke mit gewaltigen Dimensionen zu versehen. Seine Kritiker überzeugte das nicht. Erst 1901 konnte Mahler eine sehr überarbeitete zweiteilige Version von „Das klagende Lied“ ohne den 1.Teil (Das Waldmärchen) uraufführen. Der Erfolg war mäßig. Die dreiteilige Urfassung blieb erhalten, kam aber erst 1997 in Deutschland zur Erstaufführung. Das Werk ist noch der Spätromantik zuzuordnen. Obwohl Mahler es bereits im Alter von 19 Jahren erschuf, ist es schon typisch für ihn. Der Weg zu dieser erstaunlich frühen Reife ist leider nicht belegbar, da es an Dokumenten aus der Zeit davor mangelt.

Generalmusikdirektor Dominique Josep Caballe-Domenech bot für dieses Abschlusskonzert in der Händelhalle ein gewaltiges Ensemble auf:

  • Neben der Staatskapelle Halle wirkten mit der
  • Chor und Extrachor der Oper Halle,
  • der Universitätschor Halle,
  • die Solisten R. Lichtenstein (Sopran), B. Ranch (Alt), B. Berchtold (Tenor) und J. Kupfer (Bariton) sowie
  • 2 Knabenstimmen.

Ein von Mahler vorgesehenes Fernorchester spielte auf dem Flur. Wohl wegen dieser enormen Besetzung kommt dieses Mahler-Werk eher selten zur Aufführung.

Souverän und gefühlvoll führte der GMD Orchester und Chöre ohne größere Pause durch die 3 Märchenteile. Die Leitmotive wurden von einzelnen Instrumenten sehr schön zu Ausdruck gebracht. Präzise stimmten die Chöre ein. Solo-Gesangstimmen haben es in der Händelhalle oft schwer. Der Bariton war noch am besten zu vernehmen, die Knabenstimmen – naturgemäß nicht dominierend – gingen etwas unter. Im begleitenden Textheft waren die Liedertexte wiedergegeben, so dass man der musikalischen Interpretation gut folgen konnte. Beeindruckt und begeistert nahm das Hallenser Publikum dieses Konzert auf. Hier zeigten Staatskapelle und Oper, zu welch großartigen Leistungen sie befähigt sind.

Mit Blick auf die wackelige finanzielle Zukunft muss dies den Kulturplattmachern immer mal wieder deutlich gemacht werden. „Das klagende Lied“ hatte so vielleicht auch einen symbolischen Charakter.

Über den Autor

Hans J. Ferenz ist freier Autor. Er schreibt über wissenschaftliche und kulturelle Ereignisse für Print- und Internetmedien.

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