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Reichardts Garten: Reich an Bäumen

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Spaziergänge durch Halles Parklandschaften

Reichardt´s Garten umfaßt ca. 3 ha. Angelegt wurde er von Johann Friedrich Reichardt 1794 als „Englischer Garten“. Was kennzeichnet ein Englischen Garten? Ein Englischer Garten soll natürlich wirken im Sinne eines idealen „begehbaren Landschaftsgemäldes“.

Damit löste man sich von den mathematisch und geometrisch durchdachten Barockgärten. Blühpflanzen finden sich im klassischen Englischen Garten kaum. Trotz einer angestrebten „Natürlichkeit“ ist ein Englischer Garten ein Kunstwerk. Er stellt einen Park dar mit weiten Rasenflächen, sich großzügig windenden Wegen und – wenn möglich – mit natürlich wirkenden Teichen und Seen, zwischen die Reihen aus passenden Bäumen oder kleinere Wälder gepflanzt wurden. Optische Akzente setzte man in ihnen durch künstliche Ruinen, Grotten und Eremitagen. Manchmal bewohnten sogenannte Schmuckeremiten vertraglich geregelt zeitweise solche künstlichen Einsiedeleien.

Reichardt´s Garten kommt diesem Idealbild recht nahe und ist deshalb auch aufgenommen in die Liste „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“. Er ist auf einem früher bis zur Saale reichendem Hang angelegt. Im steileren Bereich findet man einen waldartigen Gehölzbestand; auf den offenen leicht geneigten Wiesenflächen, früher auch als Nutzgarten eingerichtet, stehen wertvolle alte Bäume. Reichardt´s Garten ist also eher ein Park. Ein Blumenbeet findet sich nur im Zentrum der Anlage in der Nähe einer steinernen Büste von Reichardt.

Der Garten wurde 1902 als Bürgerpark der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Verschlungene befestigte Wege und malerisch geschwungene steile Steintreppen erschließen dem Spaziergänger die grüne Oase. Etliche Bänke laden zum Verweilen ein. Die hohen, oft sehr alten Bäume spenden im Sommer mit ihren Baumkronen kühlen Schatten, behindern aber im unteren Stammbereich nicht den weiten Blick durch den Park. Der Park ist zwar großenteils von einer Mauer eingefasst, hat aber mehrere z.T. etwas versteckte Zugänge. Die unmittelbaren Anwohner freuen sich über die ruhige unverbaute Wohnlage mit Blick auf die Burg Giebichenstein. Im Winter nutzen Kinder gern die Hänge im „Bürgli“ (wohl abgeleitet von Bürgergarten) für Rodelvergnügen und erste Abfahrten auf Skiern. Reichardt´s Garten hätte derzeit etwas mehr Respekt von Hundehaltern und mehr Zuwendung vom Grünflächenamt verdient.

Wer war eigentlich Johann Friedrich Reichardt?

Geboren 1752 in Königsberg fiel er als musikbegabter Wunderknabe (er spielte hervorragend Violine) auf, studierte dann allerdings etwas Solides, Rechtswissenschaften, vernachlässigte seine Musikinteressen aber nicht. 1775 berief ihn Friedrich II. zum königlich preußischen Kapellmeister nach Berlin. Aus diesem Amt wurde er 1794 entlassen. Im selben Jahr kaufte er das Gut in Giebichenstein. Danach, als Kapellmeister der Hofkapelle in Kassel am Hof König Jeromes von Westphalen angestellt, fand er zahlreiche Kontakte zu bekannten Komponisten seiner Zeit.
Noch heute ist Reichardt für sein Liedschaffen bekannt (z.B. „Schlaf Kindchen schlaf…“). 1814 starb er hier in Giebichenstein. Er wurde auf dem benachbarten Friedhof an der Bartholomäuskirche beerdigt .

Reichardt´s Garten liegt im Halleschen Ortsteil Giebichenstein zwischen Seebener Straße, Wittekindstraße und Friedenstraße. Auf der Seebener Straße hält die Straßenbahnlinie 8 in Parknähe; auf der Brunnenstraße erreicht man mit der Linie 7 bequem den Garten.

Ergänzende Infos findet man u.a. hier:

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Über den Autor

Hans J. Ferenz ist freier Autor. Er schreibt über wissenschaftliche und kulturelle Ereignisse für Print- und Internetmedien.

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