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Das beste Radio von gestern, heute und morgen

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In jeder Stadt gibt es Straßen, Plätze, Gebäude, Winkel und Ecken die ganz besonders sind. Viele dieser speziellen Orte findet man in den einschlägigen touristischen Hilfestellungen, aber einige nicht. In dieser Rubrik soll es um Orte in Halle gehen, die eine besondere Ausstrahlung besitzen. Einige dieser Orte stehen im Stadtführer, aber die meisten nicht.

Wer in Mitteldeutschland Radio hören will, muss gute Nerven haben. Nur Randguppen können mit den empfangbaren Programmen zufrieden sein. Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für den Zauber des stetig Wiederkehrenden zum Beispiel. Sie entscheiden sich wahrscheinlich für die dudelige Heavy-Rotation der kommerziellen Sender. Oder grundehrliche Gebührenzahler, die sich hoffentlich an den speziellen Spartenprogrammen des MDR erfreuen. Der durchschnittliche Radiohörer jedoch, der sich ohne dauergrinsende Höreransprache und ohne nervende Produktinformationen unterhalten und informieren lassen will, der gerne mal musikalisch überrascht wird und offen ist für Neues, Abwegiges und Vergessenes, der muss auf Kurzwelle umschalten oder sich im Internet umschauen. Es sei denn er wohnt im Verbreitungsgebiet von Radio Corax.

Der schöne “Ort“ dieses Textes ist überall in Halle und Umgebung zu finden. Er fliegt bei Wind und Wetter durch die Luft und lässt sich in jeder Küche, in jedem Auto, im Freibad und im Büro, kurz überall mit einem handelsüblichen UKW-Empfangsgerät einfangen. Es handelt sich um Radio Corax. Der Sender verblüfft seit mehr als 10 Jahren den geneigten Hörer mit Moderationen im feinsten halleschen Idiom, Musik aus anderen Welten und Hörspielen aus der Hölle. Während tagsüber eher ein wortlastiges Programm zu durchaus mal sperrigen Themen geboten wird, geben sich in den Abendstunden Freunde des ausgefallenen Musikgeschmacks die Studioklinke in die Hand. Klänge, die man sonst auf UKW nicht zu hören bekommt, werden dann in den Äther gefunkt und die Hörerschaft freut sich über die zwar manchmal holprige dafür aber fachkundige und begeisterte Vorstellung von Titel und Interpret. Hier sind echte Liebhaber am Werk. Zwischendurch und am Wochenende gibt es Talk und Trash, Meinungen und Deinungen sowie Informatives für Männer, Frauen, Kinder, geschlechtlich Unentschiedene, Zugezogene, Verreisende, Gesunde, Kranke, Kinofreunde, Theaterfreunde, Kunstfreunde, Buchfreunde, Sportfreunde und für alle anderen auch. Jede Sendung eine Sondersendung. So muss Radio sein! Wer mal reinhören will, wirft am besten vorher einen Blick ins Programm, um nicht zu erschrecken, wenn statt der erwarteten Beats plötzlich die kurdische Stimme oder eine Traumgeschichte aus den Lautsprechern tönen. Also am besten erst aussuchen, dann einschalten, und dann zurücklehnen und zuhören.

Noch ein Tip: Noch besser als Radiohören ist Radiomachen. Früher begab man sich mit diesem Vorhaben in die Illegalität und sendete als Radiopirat von Dachböden oder aus umgebauten Lieferautos bis der behördliche Peilwagen dem Treiben ein Ende setzte und die Anlage konfiszierte. Heute kann man zu Corax gehen. Radio Corax ist ein sogenanntes freies Community-Radio, also ein Mitmach-Radio für alle und jeden. Hier darf jeder, der was zu sagen hat ans Mikro. Genau deshalb klingt es auch so schön. Themen und Musik sind persönlich, vorgetragene Meinungen parteiisch und Diskussionen unvermeidlich. Alles so wie in den guten alten Piratenradio-Zeiten, nur eben legal und unabschaltbar. Wer sein Radiotalent mal ausprobieren möchte, muss hin zu Radio Corax, in den Unterberg 11. Dort sind die Studios und dort finden auch regelmäßig Einsteiger-Workshops statt. Dann steht dem legalen Radiopiratenleben nichts mehr Weg. Und das Know-How für den eigenen Piratensender kann man dort sicher auch lernen.

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ÖPNV: Tram 3,7,8 Haltestelle Moritzburgring, Tram 1,2,5,6,10 Haltestelle Joliot-Curie-Platz
Bürozeiten: Mo -Fr ab 10:00 Uhr

Über den Autor

Mein Name ist Markus Wollschläger. Ich bin 39 Jahre alt. Zur Zeit lebe und arbeite ich je zur Hälfte in Berlin und in Halle und finde das ausgesprochen gut so.

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